Frivol, flatterhaft, fragwürdig

11. Januar 2009 - 8 Kommentare

Die deutsche Sprache ist vielleicht nicht die schönste auf dieser Welt und bestimmt auch nicht diejenige, die als Unkundiger am leichtesten zu erlernen ist. Aber ich mag sie. Ich mag sie wirklich. Mit der richtigen Aneinanderreihung von Worten kann man mir eine Gänsehaut verpassen oder dafür sorgen, dass ich debil grinsend durch die Gegend laufe. Manche Worte beschäftigen mich mitunter über Tage, bahnen sich ihren Weg in meinen Kopf und bleiben dort kleben. Und manche Ausdrücke oder Redewendungen sind so großartig, dass sie es bis in meinen alltäglichen Sprachgebrauch schaffen. „Großartig“ zum Beispiel. Ende letzen Jahres für mich entdeckt, komme ich nicht umhin, es immer und immer wieder zu nutzen, weil dieses Wort einfach großartig ist ;)

„Moppelkotze“ hingegen gehört seit Jahren zu meinen All-Time Favorites. Unabhängig von der ursprünglichen Definition kann einfach alles Moppelkotze sein, was diesen wunderbaren Ausdruck so universell einsetzbar macht. Arbeit ist manchmal Moppelkotze. Allein sein ist manchmal auch Moppelkotze. Miese Laune ist definitiv Moppelkotze. Windows Vista ist auch Moppelkotze – aber sowas von.

„Ziemlich“ ist auch schlichtweg toll. Wieso? Weil man damit feine Abstufungen sowie eigene Superlative konstruieren dann. Ziemlich blöd ist nicht ganz so blöd wie blöd, aber ziemlich fantastisch ist manchmal ein bisschen fantastischer als fantastisch. Kapiert?

Dank Sven neu für mich entdeckt: „Stulle“. Find ich einfach großartig. Neben Stulle ist aber auch das gute alte „bescheuert“ noch ganz groß. Viellicht weil ich’s selbst bin. Und vielleicht, weil so vieles, was ich mache oder von mir gebe, einfach Stulle ist ;)

Neben dem alltäglichen Gebrauch gibt es auch einfach Worte, die unglaublich toll klingen, ein bestimmtes heimisches Gefühl auslösen oder einfach nur großartig sind und deswegen hier Erwähnung finden:

Genauso gibt es aber auch einige Unwörter, bei denen es mir kalt den Rücken hinunter läuft:

  • durchdeklinieren
  • gallertartig
  • Grützwurst
  • stringent
  • frivol

Ich geb den Kampf für den Erhalt der deutschen Sprache (mit all ihren Macken und Besonderheiten) somit nicht auf, auch wenn im www ja eigentlich nur noch gegoogelt, getwittert, gebloggt und geblipt wird. Gruselig. (Auch ein tolles Wort übrigens ;) )

Foto (Clara Diercks)

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8 Reaktionen

Jester [Website]

Grützwurst liegt frivol auf dem Tisch, während er stringent alle des durchdeklinierens des Lieblingswortes seines Professors, bis das gallertartige Gemüse erkaltet war.

Nur wegen „kalt dem Rücken runter“ und so. :D

//Thomas D. habe ich mal eben quer gehört. Gefällt, danke für die Empfehlung. Rap/Hip-Hop und ich…. wer hätte das gedacht. :o

Ich wünsche Dir einen Einen warmen Restsonnntag.

sanna [Website]

Dein Geschreibsel muss ich mal wieder nicht verstehen, oder alter Mann?! ;)

Jester [Website]

ja/nein wieder mal typisch zittrige Hand, es sollte lauten:

Grützwurst liegt frivol auf dem Tisch, während er stringent alle Wörter durchdekliniert, bis das gallertartige Gemüse erkaltet war.

Robby [Website]

Eines meiner Lieblingsworte ist wohl fulminant. Dazu dann noch Ambivalenz und einige andere. Die Frage, die sich mir persönlich stellt, ist, inwieweit Wortbedeutung und Wortklang das Schönheitsempfinden beeinflussen. Beides mag wohl einen Einfluss haben :D

bastih [Website]

ich mag noch das wort „bonze“, weil es so hart klingt und „eigentlich“, das vermutlich „meiste“ wort im deutschsprachigen raum…. schöne sammlung :).

sanna [Website]

Oh yeah, eigentlich ist eigentlich auch absolut großartig… fast so wie ziemlich ;)

sven [Website]

Stulle ist toll, oder?

michelsen

Ich vermisse das schöne Wörtchen „verortet“, das Dir in letzter Zeit häufiger mal begegnet sein dürfte. ;-)

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