Familienerbstücke

13. März 2009 - 1 Kommentar

Vorgestern rief mich meine Mum an, um mir mitzuteilen, dass sie und ihr Freund in der Nacht nach Polen fahren würden. Die Schwester meines Großvaters sei Anfang der Woche gestorben und am Donnerstag sollte die Beerdigung sein. Auch ohne bemerkenswerte Bindung  zu diesem Zweig meiner Familie (die ich der Entfernung und der lieben Sprachbarrieren zu verdanken habe), musste ich erst einmal schlucken. Ich war wahrscheinlich schon auf überdurchschnittlich vielen Beerdigungen in meinem verhältnismäßig kurzen Leben, aber daran gewöhnen kann man sich wahrscheinlich nie.

Das Leben ist endlich und sterben ist erblich
(Thomas D. – Neophyta)

An den letzten Besuch in Dobrodzień kann ich mich kaum noch erinnern. Lediglich der Familienhund Kondor ist mir noch gut im Gedächnis geblieben. Das war nämlich kein Hund, sondern ein Kalb. Zumindest in den Augen meines vierjährigen Selbst, das ständig von eben diesem Hund/Kalb  angefallen wurde, weil dieser Geschmack an meinen lustig baumelnden Mickey Maus Zopfgummis gefunden hatte.

Danach habe ich die Cousine meiner Mutter und deren Eltern nur noch Anfang der 90er auf der Hochzeit meiner Tante und auf den Beerdigungen meiner Großeltern vor gut 10 Jahren gesehen. Oder sind es inzwischen schon 11?

Vor ca. einer Stunde hat sich meine Mutter zurück gemeldet und mir von der 2,5 stündigen Beerdigungszeremonie, Rosenkranzgebeten, katholischem Gottesdienst, Hinknien, Aufstehen, dem Hinterhertrotten hinterm Leichenwagen bei Sturm und Schnee durchs halbe Dorf und der Beisetzung erzählt. Und davon, dass ihre Cousine ihr ein Geschenk für mich mitgegeben hat. Ein paar alte Ringe in Gold und Silber, von denen meine (von meinem Schmuckfetisch wohl wissende) Mutter sagte, sie würden mir eh nicht gefallen.

Ich für meinen Teil muss sagen, dass das ganz egal ist.  Es sind die kleinen Dinge, die zählen… so wie diese alten Ringe aus Polen, die ich an Ostern, wenn ich meine Mum wiedersehe, mitnehmen und irgendwo verwahren werde – so häßlich sie auch sein mögen. Ein kleines Stückchen Familiengeschichte, das mich wieder einmal daran erinnert, wie kostbar Erinnerungen sind. Mein erstes „Erbstück“.

Sehr passend dazu…

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Eine einzige, traurige Reaktion

alltagzwahn

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