Verbales Faszinosum

8. Juni 2009 - 4 Kommentare

Der aufmerksame Leser weiß an dieser Stelle bereits, dass ich dem deutschen Wort wohlgesonnen gegenüber stehe. Jedoch sehe ich mich gezwungen, da es sich mit meiner Leidenschaft für das gesprochene Wort im Allgemeinen ähnlich verhält, auch diese nun zu offenbaren.

Die zugrundeliegende Motivation zum Niederschreiben der folgenden Gedanken fand sich in einer Illusionsproduktion im nahegelegenen Lichtspielhaus mit Namen „Illuminati“. Welch wohlklingender Titel… Leider zeigte sich der Hauptakteur dieses Bewegtbildvortrages nicht mehr ganz so wohlklingend wie noch vor einigen Jahren. Im Gegenteil – seine teils befremdliche Stimme wollte diesmal einfach nicht das sonst so gefühlvoll ausgeworfene, samtene Band des Wiedererkennens und der Geborgenheit um mich legen. Und so sinnierte ich einen Großteil des Filmes darüber, was die Wirkung einer Stimme wirklich ausmachen mag.

Dass Tom Hanks (*1956)  alt geworden ist, das wissen wir. Das zweite Kinn hängt ein wenig, die Augen werden auch immer schwerer und die Stirn wirft mitunter tiefe Falten. Doch diese physische Alterung ging schleichend vor sich. Es brauchte einige Jahre und einige Filme, damit es einem heute auffällt, dass er nicht mehr wie 1988 in Big aussieht. Seine Synchronstimme jedoch – mit Namen Arne Elsholtz (*1944) – scheint von einem Tag auf den anderen steinalt geworden zu sein. Der gute Tom klang ein wenig so, als würde er permanent gegen ein sich lockerndes Gebiss ankämpfen.

Dabei enthalten gerade Stimmen eine unglaubliche Macht. Wenn jemand mit einer schönen Stimme gesegnet ist, kann er mir ohne eine Berührung einen Schauer über den Rücken jagen oder mich einfach nur zum Lächeln bringen. Eine schöne Stimme ist etwas wundervolles – wie eine dicke Daunendecke, in die man sich einkuscheln kann, wenn der Nordwind eiskalt zum Fenster hereinweht und den ersten Schnee ankündigt. Eine Stimme kann mir süß wie Honig das Hirn verkleben und mich an eine Blumenwiese im Sonnenschein denken lassen. Oder wie Sonnenstrahlen meine Haut verbrennen und mein Innerstes wärmen. Eine Stimme kann Worten wie Samt oder Seide, Milch oder Öl einen ganz eigenen Körper verleihen allein durch einen Klang. Nicht das was ist entscheidend, sondern das wie.

Eine Stimme kann mehr Gefühl transportieren, als man jemals in Worten ausdrücken könnte. Denn Stimmen brauchen keine verständlichen Worte. Wir können schreien, lachen, knurren, seufzen, quietschen, schnurren, wimmern, stöhnen, schluchzen, kreischen und noch so viel mehr. Ohne ein vernünftiges Wort, doch mit so viel Emotion, so viel Tiefe.

Ich werde nun noch ein wenig dem guten Wolfgang Pampel lauschen, der mir diese ganze Verschwörungsgeschichte um die Erleuchteten noch einmal mit ein wenig mehr Gefühl erzählen darf.

Foto (Ingo Neumann)

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4 Reaktionen

der.grob [Website]

der film ist schlecht. was aber nicht an der synchronstimme liegt. die ist immerhin unfreiwillig komisch. trotzdem war ich der einzige, der ständig lachen musste.

sanna [Website]

Herr Grob, Sie würden auch noch auf der Beerdigung der Enkelin Ihrer Großtante 5. Grades lachen (und evtl. noch auf/in ihr Grab urinieren, aber das ist eine andere Geschichte)… das sagt nun wirklich nichts über die Qualität dieses Films aus.

der.grob [Website]

auf beerdigungen lache ich nicht, da singe ich nur. und ich möchte mal behaupten, jede beerdigung ist besser als dieser film.

juf [Website]

das beste an dem film ist ja, das audrey dingsda nicht dabei ist

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