29. Januar 2010 - 0 Kommentare

Seelenverwandte waren wir wohl nie. Nur verwandt. Genetisch verbunden und uns vielleicht manchmal ein bisschen zu ähnlich. Gleiche Pole stoßen einander ab, das haben wir doch damals in der Schule gelernt.

Du warst damals der, der sich Geld von mir geliehen und immer erst seine und dann meine Süßigkeiten aufgegessen hat. Du hast deine dreckigen Socken hinterm Sofa versteckt und dann meine angezogen, die dir erst viel zu klein und dann irgendwann ausgeleiert waren. Du hast dich mit mir gestritten, vor Wut ein Loch in meine Zimmertür getreten und mit mir Summer Games gespielt. Du hast mir die beste Band der Welt gezeigt und mich gepflegt nachdem ich mit dem Fahrrad gestürzt bin. Du hast mit mir meine erste Anlage ausgesucht und mir meine erste Bacardi Cola gemischt und… und… irgendwann bist du ganz heimlich gegangen.

Eine Schwester gehört stets neben den Bruder, welches Leben er sich auch gewählt haben mag. (Honoré de Balzac, 1842)

1842 ist lang her und die Spielregeln haben sich geändert.
Groß geworden bin ich gemeinsam mit dir, aber beim groß sein hast du mir nie geholfen. Du warst nicht dabei als die Wunderkerzen an meinem achtzehnten Geburtstag langsam herunterbrannten. Ich konnte dir nie meine erste große Liebe vorstellen und den darauf folgenden Herzschmerz nie an deiner Schulter ausweinen. Du hast noch nie mein Zuhause gesehen – keines der vier, die ich seitdem hatte.

Heute hast du eine Frau, ein Aquarium, zwei Jobs und backst gerne Kuchen. Viel mehr weiß ich eigentlich nicht über den Menschen, dessen Blut ich teile. Außer dem Sturkopf und den Genen ist uns wohl nichts mehr geblieben. Von gleichen zu Gegenpolen geworden. Zu stolz und zu weit von einander entfernt um Anziehung zu spüren.

Inzwischen habe ich mich an all das, was du nicht bist, gewöhnt. Habe verlernt, dich zu vermissen.
Nur vergessen werde ich dich nie. Mach’s gut und pass auf dich auf.

Foto (via Jordan)

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