29. Januar 2010 - 0 Kommentare - Gedankenmeer

Seelenverwandte waren wir wohl nie. Nur verwandt. Genetisch verbunden und uns vielleicht manchmal ein bisschen zu ähnlich. Gleiche Pole stoßen einander ab, das haben wir doch damals in der Schule gelernt.

Du warst damals der, der sich Geld von mir geliehen und immer erst seine und dann meine Süßigkeiten aufgegessen hat. Du hast deine dreckigen Socken hinterm Sofa versteckt und dann meine angezogen, die dir erst viel zu klein und dann irgendwann ausgeleiert waren. Du hast dich mit mir gestritten, vor Wut ein Loch in meine Zimmertür getreten und mit mir Summer Games gespielt. Du hast mir die beste Band der Welt gezeigt und mich gepflegt nachdem ich mit dem Fahrrad gestürzt bin. Du hast mit mir meine erste Anlage ausgesucht und mir meine erste Bacardi Cola gemischt und… und… irgendwann bist du ganz heimlich gegangen. [weiterlesen]

Laufen lernen

20. November 2009 - 0 Kommentare - Gedankenmeer

Loslassen. Weglassen. Zulassen.

Einfach gehen – nicht fort sondern voran. Noch einmal zurückschauen, dann zaghaft noch einen Schritt vor. Mit wackligen Knien stehen bleiben. Kurz ausruhen. Weitergehen. Stück für Stück, Schritt für Schritt dem Neuen entgegen. Über offene Schnürsenkel stolpern. In Hundehaufen treten. Alles egal. Einfach weitergehen. Bis man nicht mehr stolpert. Barfuß durch taunasses Gras. Über Zebrastreifen bis nach Afrika.

Ein Anruf… von meiner eigenen Festnetznummer. Kripo Frankfurt. Adrenalinschub. Herzrasen. Zitternde Hände.

Nur noch einen Gedanken, der im Kopf in Endlosschleife rotiert: „Scheiße, Scheiße, Scheiße“.

Egal wie oft man diese Szene schon in Filmen oder Serien gesehen hat… darauf, die eigene Wohnungstür in aufgebrochenem Zustand und mit diesem schwarzen Fingerabdruck-sichtbar-mach-Puder beschmiert vorzufinden, ist man wirklich nicht gefasst. Ich war’s zumindest nicht.

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Der aufmerksame Leser weiß an dieser Stelle bereits, dass ich dem deutschen Wort wohlgesonnen gegenüber stehe. Jedoch sehe ich mich gezwungen, da es sich mit meiner Leidenschaft für das gesprochene Wort im Allgemeinen ähnlich verhält, auch diese nun zu offenbaren.

Die zugrundeliegende Motivation zum Niederschreiben der folgenden Gedanken fand sich in einer Illusionsproduktion im nahegelegenen Lichtspielhaus mit Namen „Illuminati“. Welch wohlklingender Titel… Leider zeigte sich der Hauptakteur dieses Bewegtbildvortrages nicht mehr ganz so wohlklingend wie noch vor einigen Jahren. Im Gegenteil – seine teils befremdliche Stimme wollte diesmal einfach nicht das sonst so gefühlvoll ausgeworfene, samtene Band des Wiedererkennens und der Geborgenheit um mich legen. Und so sinnierte ich einen Großteil des Filmes darüber, was die Wirkung einer Stimme wirklich ausmachen mag.

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Vorgestern rief mich meine Mum an, um mir mitzuteilen, dass sie und ihr Freund in der Nacht nach Polen fahren würden. Die Schwester meines Großvaters sei Anfang der Woche gestorben und am Donnerstag sollte die Beerdigung sein. Auch ohne bemerkenswerte Bindung  zu diesem Zweig meiner Familie (die ich der Entfernung und der lieben Sprachbarrieren zu verdanken habe), musste ich erst einmal schlucken. Ich war wahrscheinlich schon auf überdurchschnittlich vielen Beerdigungen in meinem verhältnismäßig kurzen Leben, aber daran gewöhnen kann man sich wahrscheinlich nie.

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