Nachbarn

27. April 2008 - 5 Kommentare - Gedankenmeer

Ich kann nicht gerade behaupten, sonderlich extrovertiert zu sein und gern auf Menschen zuzugehen. Nein, ich lebe doch lieber in meiner kleinen eigenen Welt, in die ich nur einen kleinen Kreis Auserwählter mithineinlasse.

Gestern nachmittag hatte ich gerade meine zwei schweren Einkaufstüten die ewiglangen Treppen ins 4. OG geschleppt, wollte gerade meine Wohnungstür aufschließen, da hörte ich hinter mir ein Rumpeln und eine Stimme. Ganz zuordnen konnte ich die Geräusche nicht, da ich wie immer verkabelt war und mir gerade Papa Roach ins Ohr brüllte. Also Stöpsel raus, umgedreht und nachgesehen, wer da stört.

Mein Nachbar – schätzungsweise Ende 30, schon leicht lichtes Haar und ca. 10kg zuviel auf den Hüften – schloss gerade seine Haustür ab und flötete mir wohl ein freundliches Hallo entgegen. „Hallo“-sagen unter Nachbarn find ich ja noch recht charmant, aber was dann kam, kostete mich 30 Minuten meines Lebens und einige Nerven.

Der gute Herr verwickelte mich in ein Gespräch… zuerst die Frage, ob ich mich denn gut eingelebt hätte (ich wohne hier seit November 07!), dann ein bisschen allgemeines blabla: Er ist selbstständiger Statiker, arbeitet von zu Haus aus, meistens nachts, weswegen bei ihm auch immer nachts das Licht brennt, welches ich durch mein Fenster im Flur sehen könnte – Glückwunsch. Nachdem er dann erfahren hatte, dass ich gelernte Mediengestalterin bin, wars aus. Als Selbstständiger hat man natürlich nur bedingt Kohle, um Werbung und Akquise zu betreiben und das wäre ja dann furchtbar praktisch, wenn man da wen kennen würde. Juchuuuh. Ich bin einfach zu nett, weswegen mir wohl demnächst drohen wird, für meinen Nachbarn einen Internetauftritt zu basteln. Juchuuuh².

Nach ca. 30 Minuten drückte er mir schließlich einen Zettel mit seinen Telefonnummern und seiner E-Mail-Adresse in die Hand und erklärte mir noch, dass ich ja jederzeit bei ihm Klopfen könnte (seine Klingel sei kaputt, seit jemand unten die Taste festgeklemmt hätte) und dass ich ja gern später noch auf einen Kaffee vorbeikommen könnte, dann könnten wir das ja alles mal besprechen *seufz*.

Während ich dies schreibe, sitze ich übrigens auf meinem sonnigen Balkon und genieße meine erste Tasse Kaffee des Tages. Und wen sehe ich da, als ich mich einmal umdrehe? Meinen Nachbarn – auf seinem Balkon. Beim Frühstücken. Oben ohne. Vielleicht sind es doch eher 15kg zuviel. Ob ich mir ne neue Wohnung suchen sollte? Bockenheim oder das Ostend gefallen mir eh viel besser…

Ich bin schon vor einigen Tagen auf ein erschreckendes, wie gleichsam faszinierendes Thema gestoßen: Scarification

Wikipedia schreibt dazu:

„Bei der Durchführung muss zwischen zwei Methoden underschieden werden: dem Schneiden (Cutting) oder Brennen (Branding). Das Schneiden erfolgt in der Regel mit einem Skalpell, wobei erst die Umrisse oder Outlines geschnitten werden und darauf hin die dazwischenliegende obere Hautschicht entfernt wird. Für ein Branding kann prinzipiell zwar jeder heiße Gegenstand verwendet werden, bei professioneller Durchführung wird dafür jedoch ein Elektrokauter verwendet.“

Dieses ursprünglich afrikanische Stammesritual der Körpermodifikation ist inzwischen wohl auch als Trend hier angekommen. Bei manchen Naturvölkern wurden damit Stammeszugehörigkeiten, Männlichkeit, Mut oder Familienstand öffentlich am Körper getragen, hierzulande schmücken sich Jugendliche mit Herzchen oder Sternen *stirnrunzel*.

Quelle: wikipedia.de

Ich weiß noch nicht ganz, was ich davon halten soll… generell üben Narben schon eine gewisse Faszination auf mich aus – weil jede Narbe normalerweise eine Geschichte erzählt. Doch was soll ich von Schmucknarben halten, die einfach nur schick aussehen sollen? Nüchtern gesehen ist es nichts anderes als ein Tattoo – vielleicht etwas schmerzhafter, auch wenn ich es selbst nicht beurteilen kann. Und doch stört mich irgendwas an der Vorstellung.

Das nächste, was ich beim Sprechzimmer gelesen habe, hat mich doch ein wenig „irritiert“:

„Die Scarification mit Wasserstoff Peroxyd ausreiben, um Entzündungen zu vermeiden, und um die Wunde zu desinfizieren. Salz und Zedernasche in die Schnitte reiben, um die Narbenbildung zu fördern (brennt zwar, aber hilft).“

*grusel* Naja gut, ich werd da noch ein paar Tage drüber nachdenken und dann nochmal schaun, was ich von dem ganzen halte…