Diesmal schaffe ich es doch, direkt live aus Hamburg zu berichten… jedoch kann ich diesmal wirklich nicht von meinem gemütlichen Hotelzimmer schwärmen, das einem den Zwangsaufenthalt in einer fremden Stadt etwas erträglicher macht.

Irgendwie habe ich diese Woche Pech und bin in einem Hotel direkt am Altoner Bahnhof einquartiert worden. Als ich heute Vormittag hier ankam und nur schnell mein Gepäck aufs Zimmer gestellt habe, dachte ich noch „Ok, nicht das schönste… klein und einfach, aber für die zwei Nächte wird’s reichen“. Tjaha, zu diesem Zeitpunkt hatte ich auch noch nicht so genau hingeschaut.

Dieses Vergnügen hab ich mir heute abend gegeben, nachdem ich nach einem doch recht langen Tag müde und kaputt wieder im Hotel ankam.

Ich möchte explizit dazusagen, dass ich wirklich nicht furchtbar anspruchsvoll bin. Solang ein Hotelzimmer sauber und halbwegs wohnlich ist, bin ich ja schon vollkommen zufrieden… aber was mich hier erwartete, jagte mir dann doch den einen oder anderen Schauer über den Rücken.

Aber das Positive mal zuerst:

  • direkt am Bahnhof Altona gelegen, steht man innerhalb von 2 Minuten in der Fußgängerzone, wo man wirklich alles bekommt, was das Herz begehrt
  • auf jedem Stockwerk gibt es ein eigenes WLAN mit exzellentem Empfang
  • die Fenster sind sauber
  • es gibt einen Fernseher
  • die Handtücher scheinen sauber zu sein
  • die Laken auch

So, das war’s dann aber auch schon…
Dieses Ding hier hat definitiv den Charme einer heruntergekommenen Jugendherberge, mit dem einzigen Unterschied, dass zu jedem Zimmer ein Bad gehört. Oder sollte ich besser sagen „eine Nasszelle“? Das, was hier als Bad angeboten wird, wirkt nämlich eher wie ein Campingklo… ca 1,50 x 1,50m durchgängige Plastikverkleidung, keine Duschwanne, sondern einfach nur ein Abfluss im Boden – jaaa, da kommt Camping-Feeling auf.

Ich mag Camping nicht.

Sobald die charmante Lüftung anspringt, fängt die Neonbeleuchtung auch schon an zu flackern und man kommt sich ein wenig vor wie in einer miesen kleinen Dorfdisko mit selbstgebasteltem Stroboskop. Vom versifften Lüftungsfilter möchte ich gar nicht erst anfangen… vom vermackten Waschbecken mit permanent tropfenden Wasserhahn auch nicht… oder doch? Nein.

Einen richtigen Schock hab ich allerdings erst bekommen, als ich mir die Dusche etwas genauer angesehen habe… so ein vergammelter, ranziger Duschkopf ist mir wirklich noch nicht untergekommen… natürlich tropft dieser auch durchgängig, was anscheinend auch schon länger der Fall ist, denn immerhin haben sich bereits wunderschöne Kalkablagerungen dort gebildet, wo das Wasser der Schwerkraft zum Opfer fällt und vom Duschkopf rinnt. Willkommen in der neuzeitlichen Tropfsteinhöhle.

Aber natürlich kommt es noch besser…

Ein Blick nach unten in Richtung Abfluss verheißt nichts gutes… gar nichts gutes.
Aus dem Abfluss grinst mir ein Knäuel Haare meines Vormieters entgegen… Bei diesem Anblick muss ich ernsthaft den Würgereflex bekämpfen. Gibt es etwas ekligeres?! (Abgesehen von schmutzigen Laken…)

Nachdem ich nach dieser Entdeckung das Bad erstmal rückwärts wieder verlassen habe, sollte ich wahrscheinlich wenigstens an der Rezeption Radau schlagen und ein sauberes Zimmer verlangen. Aber ich bin müde und geschafft und mag nicht auch noch umziehen… vor allem nicht, wenn ich nicht viel Hoffnung habe, dass ich ein komfortableres Zimmer in Aussicht hätte. Somit verschiebe ich das Meckern erstmal auf morgen. Von dem Gedanken, eine entspannende, heiße Dusche zu nehmen und mich dann gemütlich ins (ganze 90 cm breite) Bett zu kuscheln, kann ich mich so oder so verabschieden. Ich trau mich ja nicht einmal, hier barfuß zu laufen. Wer diese richtig fiesen, kratzigen Teppiche kennt, die man z.b. in billigen Möbelhäusern ausliegen hat, um ein „wohnliches Ambiente“ zu schaffen, versteht bestimmt warum. Außerdem kann ich nicht wirklich bestimmen, welche Flüssigkeiten hier schon eingesickert sind… und eigentlich will ich es auch nicht wissen. Wirklich nicht.

Ich bin ja wirklich überrascht, dass es hier dieses neumodische „Internet“ gibt… von Steckdosen, Haartrocknern, Fahrstühlen oder Telefonen scheinen die hier immerhin noch nichts gehört zu haben. Ich habe somit erstmal den Fernseher seiner Stromzufuhr beraubt, um mein Notebook und danach mein Handy laden zu können. Meine Begeisterung wächst ins Unermässliche.

Immerhin hat der Regen den Geruch des Imbisses unten an der Ecke inzwischen ein wenig gedämpft. Wenn jetzt auch noch die lustigen Leute, Busse und Autos direkt vor meinem Fenster Ruhe geben, kann ich mich wirklich vielleicht irgendwann mal hinlegen und ein wenig schlafen… *seufz*

So long…
Ich wünsche allen da draußen einen besseren Start in die Woche als den hier erlebten.

Nachtrag:
Suuper, wo ich meinen Fernseher abgeklemmt habe, höre ich das Fernsehprogramm meines Nachbars.
Ich finds immer toller hier *grml*