Gedankenmeer & Herzsprünge

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20. November 2009 - 0 Kommentare - Gedankenmeer

Loslassen. Weglassen. Zulassen.

Einfach gehen – nicht fort sondern voran. Noch einmal zurückschauen, dann zaghaft noch einen Schritt vor. Mit wackligen Knien stehen bleiben. Kurz ausruhen. Weitergehen. Stück für Stück, Schritt für Schritt dem Neuen entgegen. Über offene Schnürsenkel stolpern. In Hundehaufen treten. Alles egal. Einfach weitergehen. Bis man nicht mehr stolpert. Barfuß durch taunasses Gras. Über Zebrastreifen bis nach Afrika.

Ein Anruf… von meiner eigenen Festnetznummer. Kripo Frankfurt. Adrenalinschub. Herzrasen. Zitternde Hände.

Nur noch einen Gedanken, der im Kopf in Endlosschleife rotiert: “Scheiße, Scheiße, Scheiße”.

Egal wie oft man diese Szene schon in Filmen oder Serien gesehen hat… darauf, die eigene Wohnungstür in aufgebrochenem Zustand und mit diesem schwarzen Fingerabdruck-sichtbar-mach-Puder beschmiert vorzufinden, ist man wirklich nicht gefasst. Ich war’s zumindest nicht.

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Der aufmerksame Leser weiß an dieser Stelle bereits, dass ich dem deutschen Wort wohlgesonnen gegenüber stehe. Jedoch sehe ich mich gezwungen, da es sich mit meiner Leidenschaft für das gesprochene Wort im Allgemeinen ähnlich verhält, auch diese nun zu offenbaren.

Die zugrundeliegende Motivation zum Niederschreiben der folgenden Gedanken fand sich in einer Illusionsproduktion im nahegelegenen Lichtspielhaus mit Namen “Illuminati”. Welch wohlklingender Titel… Leider zeigte sich der Hauptakteur dieses Bewegtbildvortrages nicht mehr ganz so wohlklingend wie noch vor einigen Jahren. Im Gegenteil – seine teils befremdliche Stimme wollte diesmal einfach nicht das sonst so gefühlvoll ausgeworfene, samtene Band des Wiedererkennens und der Geborgenheit um mich legen. Und so sinnierte ich einen Großteil des Filmes darüber, was die Wirkung einer Stimme wirklich ausmachen mag.

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Das Leben ist grad ein bisschen bunter und lauter und alles blinkt und lenkt mich ab. Und ich würd jetzt gern schwärmen und sagen, wie toll alles ist. Würde gern behaupten, es fehle mir an nichts. Würde gern… Aber bleiben wir lieber mal realistisch.

Mein kleines Trostpflaster klebt fest und Ruhe spendend etwas oberhalb meiner Brust und hilft mir, ab und zu ein wenig zu lächeln. Lächeln ist gut. Lächeln heilt. Aber es füllt die Lücke der Sehnsucht nicht auf. Entfesselt keine Leidenschaft. Und es hält mich nicht davon ab, die dünne Schorfschicht wieder abzupiddeln und zuzusehen, wie die schwarze Leere – dem Blut so ähnlich – aus mir herausquillt und mir über die Brust den Bauch hinabrinnt und schließlich dickflüssig und träge zu Boden tropft. Der schöne neue Teppich…

Aber dann ist da wieder einer dieser Momente, in denen ich mein T-Shirt nehme, mir damit die klebrigen Reste dieser Leere wie fast getrocknetes Sperma vom Körper wische. Dann landet es schwarzbefleckt zusammen mit dem miesen Gefühl und der Traurigkeit im Wäschekorb. Und ich vergesse, daran zu denken. Vergesse, wie weh es tut, sich dem Leben zu stellen. Höre nicht mehr auf die Stimme in meinem Kopf, die mich zur Verliererin degradieren will. Und dann steh ich da, nur in Jeans, vor dem Spiegel. Zünde mir eine Zigarette an und lächle. Ich fühl mich immernoch vom Leben gefickt, aber irgendwann, da bin ich mir ganz sicher, wird es sich bücken und alles heimgezahlt bekommen. Und das Schicksal wird mich zum Tanz auffordern bis wir nassgeschwitzt und nach Luft japsend gemeinsam ein Bier trinken und auf die gute alte Zeit anstoßen. Aber solang muss ich mich noch mit meinem Leben, diesem Arschloch, arrangieren. Schlechte Liebhaber gibt es immer wieder. Und ich steh ja sowieso nicht auf Blümchensex.

Vorgestern rief mich meine Mum an, um mir mitzuteilen, dass sie und ihr Freund in der Nacht nach Polen fahren würden. Die Schwester meines Großvaters sei Anfang der Woche gestorben und am Donnerstag sollte die Beerdigung sein. Auch ohne bemerkenswerte Bindung  zu diesem Zweig meiner Familie (die ich der Entfernung und der lieben Sprachbarrieren zu verdanken habe), musste ich erst einmal schlucken. Ich war wahrscheinlich schon auf überdurchschnittlich vielen Beerdigungen in meinem verhältnismäßig kurzen Leben, aber daran gewöhnen kann man sich wahrscheinlich nie.

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